Meine neue alte Nähmaschine

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Endlich habe ich eine freie Minute gehabt und dazu genutzt, meine Nähmaschine auszumotten. Ich sage meine Nähmaschine, aber es ist die meiner Oma. Jahrzehnte lang hat sie auf dieser Maschine genäht. Seit Oma verstorbenen ist, stand die Maschine eingefahren und zugeklappt in ihrer Holzkiste herum, bis wir sie mit nach Berlin genommen haben. Hier stand sie ein paar Monate im Keller und nun, nach Umzug und Baby, endlich in der Wohnung. Und heute also habe ich sie startklar gemacht, ausgeklappt und sofort kamen die Erinnerungen. Wie ich zum Beispiel mit 13 ein T-Shirt aus dem völlig falschen Stoff mit unmöglichem Muster genäht habe. Zu diesem Anlass brachte Oma mir das Nähen mit Pedal bei. Das Nähen hat mir Spaß gemacht, doch zum Glück habe sogar ich damals erkannt, dass das Shirt weder kleidsam, noch im eigentlichen Sinne tragbar war. (Ich hab’s mir nicht nehmen lassen, aus den Stoffresten eine pfiffige, asymmetrische und ebenfalls scheußliche Decke zu nähen, die dann jahrelang vor meinem Regal hing und auf erstaunlich vielen Fotos auftaucht, aber dies nur am Rande.)

Oft verkörpert ein Gegenstand einen geliebten, verstorbenen Menschen und so verhält es sich auch mit der Nähmaschine. Irgendwie bringt sie meine Oma in unsere Wohnung, die sie nie sah, zu meinem Partner, den sie nie kennenlernte. Und zu meinem Baby, über das sie sich so gefreut hätte und dem ich nun auf ihrer alten, treuen Maschine eine Decke nähen möchte. Mir war nicht klar, wie gut ich den Geruch dieser Maschine kenne, bis ich sie wieder geöffnet habe. Meine Oma war einer der liebsten Menschen und hat immer Geborgenheit gespendet, da zählt so ein Geruch viel.

Dieses Jahr hätte ich sie gebraucht, als ich schwanger war; ihren Rat, ihre Freude, ihre beruhigenden Worte. Ich habe viel an sie gedacht. Mein Opa wird sich freuen, wenn ich ihm von der Maschine erzähle – vielleicht etwas weniger ausgeschmückt als hier. Er wird wissen, warum ich sie jetzt erst aufgeklappt habe.

Ich liebe es, dass sie ein Pedal hat und nicht elektrisch ist. Man muss raushaben, wie man treten muss, aber dann läuft sie gut und rattert vor sich hin, nur ohne das nervige Surren der elektrischen Pedale. Außerdem bin ich wohl nicht für die neuen Nähmaschinen gemacht, denn früher, als ich viel auf meiner elektrischen Maschine genäht habe, habe ich das Pedal gerne mal komplett durchgetreten, wenn ich einen Fehler gemacht habe. Vor Schreck noch mehr Gas gegeben… Vielleicht ganz gut, dass ich kein Auto fahre.

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