Wollreste – Der Scraptastic Pullover von dayanaknits als RVO/U… oder doch nicht?

Im Zuge meines großen Abbaus von Wollvorräten, habe ich ein neues Projekt begonnen: Den Scraptastic Pullover von dayanaknits. Auf ihrem Blog zeigt sie, wie sie ihren AOSB („always overflowing scraps basket“) durchforstet hat und nach Farben sortiert. So habe ich das an einem der letzten Wochenenden auch mal gemacht:

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Schwierig, sich so ein fertiges Restepullöverchen vorzustellen, auch wenn ich bei Dayana ein Beispielexemplar vor mir habe.

Dayana hat ihren Pullover gefreestylt, das muss man natürlich können, denn ihre gratis Anleitung auf dem Blog umfasst lediglich das Muster, das sie strickt und das sich alle acht Reihen wiederholt.

Ich habe im Leben genau einen Pullover für mich gestrickt und den natürlich nach Anleitung. Nun wage ich mich, nach Internetrecherche und mit sehr wenig RVU-Erfahrung, an einen Raglan von unten – das ist neben dem RVO ja quasi der Freestyle unter den Pullovern, der, wenn man dem Internet glauben mag, im Grunde gar nicht schief gehen kann. Mein erster und einziger RVU ist bislang der Owlet.

Doch zurück zu Dayanas Muster, denn mit der RVU-Variante weiche ich natürlich von ihrem Pullover ab, aber das macht nichts. Sie strickt doppelfädig und wechselt die Farben so, dass ein sanfter Farbverlauf im Ombrelook entsteht, anstatt eines harten Schnitts, dem gewohnten Ringel also. Ihr Muster umfasst 2×4 Reihen und nach vier Reihen wechselt jeweils eine der zwei Farben, sodass immer eine bleibt und eine neu hinzukommt – das Ombreprinzip. Durch das Stricken mit zwei Fäden lässt sich ein Problem lösen, das das wilde Kombinieren von Materialien und Garnstärken mit sich bringt: Man kann die Fäden immer so kombinieren, dass kein ungleichmäßiges, knubbeliges Strickstück entsteht, sondern das Gestrick am Ende ebenmäßig ist. Im Zweifelsfall kann man dünne Garne auch dreifach nehmen oder einen anderen, dickeren Faden mitlaufen lassen.

Dayana beschreibt, wie das Mischen der diversen Wollreste im Pullover auch die Erinnerungen vereint, die an den jeweils ursprünglichen Strickprojekten hängen (- ich kenne das vom Verstricken von Sockenwollresten, da erinnere ich mich auch immer ganz genau an das jeweilige Geschenk, Babyjäckchen, Söckchen). Dayana sagt, sie könne ihren Pullover lesen wie Gesteinsschichten – guckt Euch mal ihr Bild dazu an, das fand ich einleuchtend und witzig.

Das Wechseln der Farbe alle vier Reihen bringt natürlich eines mit sich: Fäden, die vernäht werden wollen. Das ist lästig. Aaaber es gibt Abhilfe! Auf dem Blog meinefabelhaftewelt habe ich neulich diesen Beitrag gefunden, der das Fadenvernähen für mich revolutioniert hat. Wie beim zweifarbigen Stricken taucht man unter dem einen Faden hindurch, um den Spielfaden zu holen, und kreuzt beim nächsten Mal von oben, sodass der zu vernähende Faden richtig eingewoben wird. Wenn der Pulli also fertig ist, muss nur noch der zuletzt abgeschnittene Faden vernäht werden – ist das nicht großartig?!

Ich hatte Vorbehalte ob des Mischens verschiedener Garnqualitäten, aber was nutzt es mir, wenn ich Reste horte und horte und darauf warte, dass sich wie von Zauberhand der perfekte Stapel zueinandergehörenden Garns anfindet? It’s never gonna happen. Also Schluss damit, alles muss raus, der nächste Winter kommt bestimmt und ein Pullover ist dann eine feine Sache. Zudem ist doppelfädig gestrickt auch schnell gestrickt, also scheine ich nichts zu verlieren zu haben. Und das Experiment macht Spaß! Ihr wisst ja, wie es mit dem Streifenstricken so ist… Immer noch einen und noch einen und noch einen 🙂 Wenn sich dieser Pullover bewährt, habe ich nie wieder Probleme mit Resten. Die Aussicht allein ist Motivation, den Versuch zu starten. Kinderpullover kann man ohnehin aus wenig Resten stricken und warum nicht auch in Dayanas Stil. Und wie schöne Farbkombinationen man seinem Kleidungsstück geben kann – es muss ja nicht so bunt sein, wie bei Dayana. Auch aus insgesamt nur drei oder vier verschiedenen Garnen kann man einen Ombrepullover stricken. Ich mag den weichen Farbverlauf und das schnelle Strickprojekt. Und wie unglaublich, dass ein ganzer Pullover in meinem AOSB schlummert.

Allerdings bin ich am Ende doch unschlüssig ob des sehr bunten Pullovers. Trage ich ihn denn auch wirklich? Oder könnte man nicht auch einen verhältnismäßig schlichten RVO starten, einfädig und aus gleichen Farben? So toll ich Dayanas Idee finde, wäre das letztlich nicht eher meins? Bei Purl Soho gibt es gerade einen RVO, den ich in seiner Einfachheit sehr schön finde. Mit ähnlichen Farbtönen hätte man dem guten Stück ja schon ein wenig mehr Aufregung verpasst.

Auf Makerist gibt es einen Videokurs zum Stricken von RVO. Man lernt dort, Pullis oder Strickjacken als Raglan von oben zu stricken und – aufgepasst – zu berechnen. Ist sogar gerade reduziert. Vielleicht eher sowas? Je länger ich darüber nachdenke, desto eher möchte ich meine ersten Reihen Scraptastic ribbeln und etwas Geraglantes zurechtfummeln.

Was macht Ihr mit Euren Wollresten? Ringelpullover ist eine schnelle Antwort, aber wie geht Ihr an Schnitt, Technik und Muster heran?

Ich verlinke diesen Beitrag trotz des ihm innewohnenden Verschiebens des eigentlichen Strickens zu Auf den Nadeln – August.

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2 Gedanken zu “Wollreste – Der Scraptastic Pullover von dayanaknits als RVO/U… oder doch nicht?

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