Übers Schreiben, Krisen, und Lauren Grahams perfektes Timing

Wie ich hier und da erwähnt habe, schreibe ich eine Doktorarbeit in nordamerikanischer Literatur. So weit, so gut. Zu diesem Schreiben gehören alle möglichen Dinge: Recherchen, Diskussionen, Forschungskolloquien, Konferenzen, Papers, Veröffentlichungen, Unterrichten, möglicherweise Interviews und eben auch, manchmal ganz weit hinten in der Liste, das eigentliche Schreiben.

Konferenzen, Unterrichten und der ganze Kram machen mir wenig Sorgen. Hingegen das Schreiben…

Im Grunde ist das Schreiben die eigentliche Motivation für die Diss. gewesen. Ich wollte diesen kreativen Prozess erleben und von Anfang bis Ende auskosten, mit allen Höhen und Tiefen. Es stellt sich für mich heraus: Die Höhen kommen selten (bisweilen scheint mir, sie kämen nie) und die Tiefen werden mit fortschreitender Promotionsdauer immer tiefer.

So auch jetzt. Ich habe in den vergangenen Wochen emsig ein Kapitel überarbeitet bzw. in großen Teilen neugeschrieben und bin dabei von einer Krise in die nächste geraten. Nichts schien so ganz richtig zu sein, wenig schien zu klappen und wenn sich doch einmal eine Einsicht einstellte oder gute Formulierung fand, dann war da sofort die Gewissheit des großes Restberges an Arbeit und das Gefühl nie, nie fertigzuwerden – gute Formulierung auf Seite 39 hin oder her.

Während ich sonst Schreiben nie mit Mut oder sich-trauen in Verbindung bringe, habe ich mit größerer Selbstüberwindung beim Schreiben der Diss. zu kämpfen. Vielleicht ist es irgendwie vermeintlich sicherer, die Gedanken für sich im Kopf zu behalten, anstatt sie aufs Papier zu bringen. Dort werden sie nämlich von anderen angegangen, bewertet (zum Teil hochemotional, was eine Sache ist, die ich wirklich überhaupt nicht vermissen werde) und es werden gewissermaßen Mängellisten erstellt. Das ist so in der wissenschaftlichen Arbeit, aber das nervt und bremst mich.

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Nun las ich gestern abend in Lauren Grahams Buch Talking as Fast as I Can. Ihr werdet Lauren Graham als Lorelai Gilmore kennen, nehme ich an. Entschieden keine akademische Lektüre und daher hervorragend für den Feierabend geeignet.

Lauren schreibt übers Schreiben ihres Romans Someday, Someday, Maybe und ich fühlte mich plötzlich sehr direkt angesprochen. Seht und lest selbst:

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Abgeschnitten ist der Kommentar der Verlegerin: „I can’t edit a blank page.“ Darin versteckt die Aufforderung, zumindest etwas zu schreiben, die Seiten zu füllen, damit man daran arbeiten könne. Und dann geht’s weiter: „[…] it was better for me to be finished than to try to be perfect. I had to get out of my own way. […] the [voice] telling me my pages weren’t good enough […] An important tool against self-doubt is just to ignore it. Forge ahead anyway.“ Und immer so weiter.

Ach, Lauren, woher wusstest Du, dass ich das gerade hören musste? Der Appell, den sie an sich richtet, ging für mich eindeutig an mich.

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Am Ende des ersten Absatzes: „Ignore the doubt – it’s not your friend – and just keep going, keep going, keep going.“

Ok, Lauren, will do! Ich habe sogar eine Tasse, auf der „Keep calm and write on“ steht und die ich tatsächlich oft zum Schreiben mit an den Schreibtisch nehme.

Woran liegt es, dass man sich besser fühlt, wenn andere genauso mit Selbstzweifeln kämpfen? Es sollte mich doch um jeden freuen, der sie abschütteln kann oder gar nicht erst kennenlernt. – Aber so funktioniert das im Leben wohl nicht.

Habt Ihr Schreibroutinen oder kämpft Ihr mit dieser Merkwürdigen Selbstüberwindung direkt vor dem Schreiben? Ist es nicht unglaublich, wie sehr man sich selbst auf dem Fuß rumstehen kann?! Wenn ich Laurens Worte so lese und appellativ in meinem Kopf widerhallen höre, dann muss ich auch ein bißchen über mich und meine Plumpheit lachen. Wovor lohnt es sich denn schließlich schon, Angst zu haben. Albern eigentlich.

In diesem Sinne: keep writing, keep writing, keep writing, folks! And share the spirit 🙂

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