Von Stehrümmchen und Ausmisten

Dieser Beitrag befasst sich mit Stehrümchen und Nippes – Figürchen, Kerzenhalter jeder Art, jahreszeitlich stimmungsvolle Anhängerchen – denn ich befasse mich mittlerweile so sehr mit Ornung (schaffen, halten, sich daran erfreuen), dass ich vielleicht eine neue Rubrik auf meinem Blog einführen sollte. Sachen, Dinge, Besitztümer sind nicht nur leblose Dinge, die wir anhäufen und eben besitzen. Vielmehr besitzen sie auch uns, verlangen Aufmerksamkeit und Energie und können uns erdrücken und lähmen. (Frl. Ordnung schreibt viel dazu.)

Eine Nahrungsgruppe, die sich für mich besonders erdrückend anfühlen kann, ist Nippes. Kram. Zeug. Sachen. Stehrümchen und Kerzenhalter. Staubfänger und Vor-Bücherreihen-Steller.

img_6768

Mein kleiner Findus ist einer, der vor einer Bücherreihe steht und bleiben darf, weil ich ihn so mag

Allgemeine Deko gerne, jahreszeitliche Deko auch, aber für mich unbedingt in Maßen. Ich habe noch nie einen Osterstrauß aufgestellt und habe doch die passenden Anhänger dafür. Unsere Wohnung ist allzeit voll von Spielzeug und durch die Gegend geschleppten Gegenständen, die der Sohn irgendwo findet, begutachtet und mit sich durch die Flure zieht. Regelmäßig und sogar gerne räume ich alles immer wieder an seinen Platz und erfreue mich für fünf Sekunden der neuen alten Ordnung. Das ist alles völlig ok, da will ich mich gar nicht beschweren. Allerdings schraube ich gleichzeitig meine eigene Kramerei herunter.

Ich besitze viele Bücher und – Überraschung! – viel Wolle, viele Strickprojekte liegen herum und mein Schreibtisch ist immer voll und von den anderen nur ja nicht anzurühren. Und dann ist da natürlich Kleidung (- auch ein ganz besonderes Thema, das mich in Sachen Ordnung und Ausmisten schwer beschäftigt). Damit nimmt mein Kram genug Raum ein und mein Bedarf daran, mich mit meinen Besitztümern zu befassen, sie zu überblicken, verwalten und ordnen, ist gedeckt. Alle Kapazitäten, die ich dafür in mir habe, sind ausgeschöpft und alles Weitere an Krams und Zeugs macht mich müde und erdrückt mich.

Deko ist gefährlich! Ganz einfach deshalb, weil man sich schnell an sie gewöhnt und den Blick dafür verliert, dass es ohne sie oft ehrlicherweise schöner wäre. Und weil Leute einem Dekoartikel schenken (wie z.B. die Osteranhänger). Und weil es so verführerisch ist, andauernd neue zu kaufen. Doch was könnte schlimmstenfalls passieren, wenn ich alle Teelichthalter los würde? Oder wenn ich allen Kleinkram auf meinem Tassenregal in den Mülleimer fegte? Fände ich die leere Holzoberfläche, die mein Opa extra für mich so schön dunkel lackiert hat, nicht viel schöner? Und sagen mir die Anhänger nicht jedes Jahr, dass ich schon wieder keinen Strauß aufgestellt habe?

img_6765

Ein Engelchen an meinem Bett (blöd zu fotografieren) bleibt auch, weil es mich froh macht, wie es da auf meiner Lampe sitzt

Ich habe mich zum Jahresende von viel Kleinkram getrennt und das war gut. Außerdem habe ich Hosen, Pullover, Bücher und Geschirr aussortiert und verkauft, verschenkt oder gespendet und bin auch jene Sachen losgeworden, die man aussortiert, aber dann doch nie wegwirft, weil es einem Leid tut. Diese Sachen scheinen mir gefährlich, denn man will sie loswerden, tut es aber nicht, und so rauben sie einem weiterhin Energie und stellen (in meinem Fall) das Schlafzimmer voll.

Ich habe immer eine große Leichtigkeit verspürt, nachdem ich meine Kammer ausgemistet hatte. Und vor vielen Jahren habe ich die Regel eingeführt, dass immer, wenn ich ein Kleidungsstück kaufe, ein anderes gehen muss. Doch früher war der mit Dingen verbundene Energieaufwand eine Sache. Jetzt, als Mutter, ist er eine andere. Ich brauche meine Energie für meine Familie, unseren Alltag und meine Arbeit. Wenn ich auch noch lauter Krams, Kerzenständer und im Grunde meines Herzens Ungeliebtes oder mir Gleichgültiges verwalten muss, streikt etwas in mir und ich werde müde und schlapp.

img_6766

Eine Postkarte von einer Freundin aus England – royaler Kitsch, der mich erfreut und daher an der Wand über meinem Schreibtisch seinen Platz hat

Wer mit viel Deko glücklich ist, hat meinen Segen. Dafür ist sie ja da, sie soll Leute froh machen. Für mich ist das allerdings seltener der Fall, als ich mein Leben lang dachte. Für mich ist weniger Deko eher mehr, zumindest in unserer Wohnung. Also trenne ich mich und stelle fest, dass der einzige Dekogegenstand, um den ich weinen würde, ein Holzengel ist, den ich von meiner Oma habe.

Wie haltet Ihr’s mit dem Aufräumen und Aussortieren? Ich kann für meinen Teil sagen, dass das Aussortieren, wenn man sich mal ran wagt und zur Routine werden lässt, süchtig macht 🙂 Und es gibt immer etwas zum Aussortieren – man staunt!

Advertisements

Ein Gedanke zu “Von Stehrümmchen und Ausmisten

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s