Wo kommt der Wunsch nach Ordnung her? – (m)ein Erfahrungsbericht

Warum interessiert mich das Thema Ordnung – Ausmisten, Ordnung schaffen, Ordnung halten (haha) – dieser Tage so sehr? Es ist zu einem wahren Lieblingsthema gereift und täglich sortiere ich aus, schaffe idealerweise Platz, verschenke und spende Ausrangiertes und überlege, welche die nächste Baustelle wäre, welches Eckchen oder Schrankfach also als nächstes dran kommen soll. – Woher kommt das?

Eine Freundin von mir erzählte mir mal vor Jahren, dass sie nicht schlafen könne, wenn der Schreibtisch nicht aufgeräumt sei. Dann müsse sie aufstehen, ihn aufräumen und könne erst dann wieder ins Bett gehen. Das gleiche, wenn sie wisse, in der Küche stünde die Spüle voll. Ich fand das damals witzig und kannte dieses Gefühl wirklich überhaupt nicht. Jedoch fand ich es ganz offensichtlich (wie sie selber glücklicherweise auch), dass dieses kompulsive Aufräumen etwas im Innern kompensieren sollte, in ihrem Fall ein Chaos in der Familie, für das sie sich schon immer als Vermittlerin verantwortlich gefühlt hatte.

Daran sieht man’s mal: Unsere (Un)Ordnung spiegelt unser Inneres wider.

Ich war immer eine ordentliche Person, was aber in meinem Zimmer paradoxerweise nie zu sehen war. Erst jetzt, in der Rückschau, sehe ich, dass ich insgeheim immer schon ordentlich und sortiert war. Und warum kann ich das erst seit einigen Jahren verstärkt auch außen leben?

Nicht, dass der Eindruck aufkommt, bei uns sei es immer ordentlich. Pfff, ganz bestimmt nicht, aber ich arbeite daran, dass wir keinen überflüssigen Kram besitzen. Und wenn doch, dann soll er uns erfreuen. Mit Kind ist ohnehin jede Ordnung schneller dahin, als man es sagen kann, und das finde ich völlig ok.

Allerdings kann ich jetzt (als Erwachsene, Mutter, usw.) manche Konflikte in meiner Vergangenheit klarer sehen und aufarbeiten. Manches ist mit einer einfachen Einsicht oder einem Umdenken getan, anderes ist aufwändiger und schmerzhafter. Aber wo ich emotionalen Ballast erkenne, möchte ich ihn doch abwerfen. Im Zuge dessen steigt mein Bedürfnis nach Ordnung und meine Lust (!) zum Aufräumen sehr spürbar an. Wenn man innerlich Ballast abwirft, kann und will man es nämlich auch äußerlich.

Jeder hat Ballast, den er bearbeiten kann – zerbrochene Beziehungen, Ärger, Komplexe, Konflikte mit den Eltern, Ängste, Hemmungen, frühere Hänseleien, mangelnde Selbstliebe, usw. Das sagt nichts über Elternhaus oder Charakter aus, sondern gehört ganz einfach zum Leben. Je mehr Themen wir also abarbeiten (nicht, um einen Preis zu gewinnen, sondern Schritt für Schritt und um unserer selbst willen), desto mehr Ordnung entsteht in uns oder desto mehr Raum wird sinnbildlich für anderes frei. Dieser neue Raum will sich dann auch in unserem häuslichen Umfeld widerspiegeln, weil Wohnen nunmal so funktioniert, dass es uns mit unseren Geschichten, Sehnsüchten oder eben auch Befangenheiten abbildet.

Wer sich also schon lange an dem Chaos in seiner Wohnung stört, nicht weiß, wo er anfangen soll, lethargisch ist, keinen Antrieb und vielleicht sogar Angst vor dem ganzen angehäuften Kram hat, der braucht im besten Fall zwei Tassen Kaffee und eine Freundin, die fleißig und motiviert hilft, doch in vielen Fällen muss er oder sie vielleicht nach tief innen gucken und fragen, was da so schlummert und hemmt.

Traut Euch also an Eure Vergangenheit oder Euren Ärger, sprecht mit Freunden darüber oder schreibt Dinge auf, und steckt Euch kleine (gerne auch kleinste) Aufräum- oder Ausmiteziele! …Es wird süchtig machen 😉

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