Slow Knitting im Halbpatent oder: Meine fertige Lotildajacke

Der aktuelle Achtsamkeitstrend geht ein bißchen an mir vorbei, weil ich mich für einen ohnehin verhältnismäßig achtsamen Menschen halte. Ich lese auch, ohne dass mich die Flow daran erinnert, „einen schönen Satz zweimal“ und bin jeden Tag für vieles ganz bewusst dankbar. Ich war immer schon eine, die stehen geblieben ist und in den Himmel geschaut hat und nicht glauben konnte, dass alle anderen einfach ihres Weges gehen und diesen Regenbogen oder Sonnenuntergang nicht bewundern wollen.

Der Achtsamkeit gesinnungs- und artverwandt gibt es das Slow Knitting. Da wird der Fokus auf das bewusste Arbeiten einer jeden einzelnen Masche gelegt. Nicht der Fortschritt zählt, sondern das bewusste Arbeiten mit den Händen. – Kann ich nachvollziehen, aber so stricke ich nicht. Klar entspannt mich das Stricken gerade in seiner sich wiederholenden, meditativen Struktur, doch es kommt mir schon auch auf den Fortschritt an. Schließlich bin ich im Grunde meines Herzens auch eine, die sich schnell langweilt, und habe nicht nur ein Strickprojekt pro Quartal auf meiner Wunschliste. Und auch beim Vorwärtskommen kann man das Meditative am Stricken genießen.

Den Fortschritt genoss ich in den vergangenen Wochen aber eher in der Erinnerung… Ich bin schon wieder krank gewesen, bevor ich von der Grippe überhaupt richtig kuriert war. (Es sagen immer alle, dass der erste Winter, den das Kind in der Betreuung verbringt, schlimm ist, was Keime und Viren angeht. Und es stimmt! Ich war jetzt dreimal so krank, wie seit ewigen Zeiten nicht, und habe 2017 bereits das Äquivalent eines Jahresurlaubs krank im Bett verbracht. Und der März ist noch nicht mal um!) Natürlich hatte ich auch mit meiner Lotildajacke genau zu dieser Zeit ein verhältnismäßig großes Projekt auf den Nadeln.

Ich hatte ja hier schon über mein Restejackevorhaben geschrieben und bin nun – endlich – doch irgendwie fertig geworden:

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Lotilda gibt eine zarte Größe 34 in ihrer Anleitung vor, für die ich nordischer Lulatsch mit meinen 1,79 m etwas zu groß bin. Also habe ich für eine Größe 38 10 extra Maschen am Rückenteil angeschlagen und entsprechend je 5 an den Vorderteilen. Nachträglich betrachtet hätten auch weniger genügt, denn die Jacke sitzt eher weit, aber so ist natürlich auch der Schnitt. Zudem ist ein Halbpatentmuster immer eine Angelegenheit, die eher aufträgt, aber die Bündchen, die in zwei Nadelstärken weniger als der Rest gestrickt werden, verleihen dem Ganzen eine etwas plusterige Form, die mir ganz gut gefällt.

Ich habe die Reihenzahl entsprechend der Maschenzahl auch hochgerechnet und habe so 118 Reihen über dem Bündchen gestrickt. Lediglich bei den Ärmeln habe ich die originale Zählung behalten und 70 Reihen bis zum Bündchen gestrickt. Das schien mir genug. Ich finde es an dieser Jacke und Tanjas Design ja gerade so schön, dass sie kurz ist und eher kurze Ärmel hat – das hebt die Schwere des Halbpatents auf und macht die Jacke unbeschwert und modisch.

Mit dem Farbmix meiner Resteverwertung bin ich soweit ganz zufrieden. So in etwa hatte ich mir das vorgestellt.

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Trotzdem wäre die Jacke einfarbig wie bei Lotilda im Original sicher auch super. Da sie bald einen KAL starten möchte, könnte ich natürlich einfach nochmal mitstricken 🙂 Ich bin allerdings sehr froh, dass meine Reste jetzt endlich ein schönes Projekt gefunden haben und nicht mehr in der Kiste warten müssen. Von Anfang an habe ich mir gesagt, dass ich die Jacke auch einfach am Schreibtisch tragen kann, wenn sie mir nicht so gefallen sollte. Dort sitze ich ja viel und oft und lang und überhaupt. – Wo jetzt ihr Haupteinsatzgebiet liegen wird, mehr so outdoors oder indoors, das wird sich noch zeigen, aber dieser Kuschelhaufen gefällt mir:

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Ich sage jedenfalls Danke an Tanja für die Gratisanleitung und halte die Augen im Netz offen nach anderen Varianten der Jacke; bald wird es ja bestimmt viele geben. Macht alle mit beim KAL und kuschelt Euch selbst auch in schönen Halbpatentflausch!

Dieser faustgroße Rest blieb übrigens nach dem Vernähen übrig:

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Jetzt geht meine Jacke baden und dann wird losgekuschelt. Ich stricke jetzt zum Runterkommen und als schnelle Projekte ein paar Spültücher und Waschlappen und endlich auch mal weiter an meinem Hinatatuch von Maschenfein – ein weiterer Flauschberg, aber dazu bald mehr 🙂

Verlinkt bei Dienstagsdinge, creadienstag & Handmade on Tuesday.

 

 

 

 

 

 

 

 

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2 Gedanken zu “Slow Knitting im Halbpatent oder: Meine fertige Lotildajacke

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