Weil du es dir wert bist

Der Werbeslogan „Weil Sie es sich wert sind“ ist längst zum geflügelten Wort geworden. Aber was sagt er uns? Und benutzen wir ihn je ernst gemeint oder nicht meistens doch eher ironisch?

Lange Zeit waren mir die schönen Servietten für den Alltag zu schade, das gute Parfum auch, das gute Kleid sollte nicht an einem ganz normalen Tag getragen und zerknittert werden … und so weiter. Mit dem Ergebnis, dass vieles was „gut“, besonders oder einfach teuer war, lange ungenutzt herumstand und ich nie oder erst spät in den Genuss kam, es tatsächlich zu verwenden – und zu genießen. Woran liegt sowas?

Es liegt an einer albernen, falschen Bescheidenheit, die wiederum von zu geringem Selbstwertgefühl zeugt. Wenn wir uns selber lieben und wertschätzen (so wie wir alle es tun sollten), wenn wir finden, dass wir es verdient haben, uns mit schönen Dingen zu umgeben oder ein teures, besonderes Geschenk in vollen Zügen zu genießen, dann erfreuen wir uns zuerst an den guten Dingen und heben das Normale, Alltägliche für später auf.

Ich kann mich daran erinnern, dass ich immer zuerst die Gummibärchen gegessen habe, die ich am wenigsten mag (gelb, orange), dann kamen die mittelmäßigen (weiß) und dann die guten (rot und grün natürlich). Auch bei leckerem herzhaften Essen habe ich oft das beste bis zuletzt aufgehoben. Mit dem Ergebnis, dass es mir a) jemand weggegessen hat (Bruder oder Freund) oder b) ich das leckerste nicht mehr genießen konnte, weil ich schon satt oder das Essen kalt war. (Ich esse ja immer so langsam, weil ich viel rede. War immer schon so…) Blöde, aber jedes Mal das gleiche Spiel.

Erst in den letzten Jahren habe ich begonnen, das Besondere dem Alltäglichen vorzuziehen. Guter Tee schmeckt einfach besser als weniger guter – was den weniger guten immer noch völlig ok macht. Doch wenn ich die Wahl habe, dann nehme ich heute erst den guten und brauche ihn genüsslich auf. Danach kommt der nächstbeste.

Oder ich ziehe immer zuerst meine Lieblingsunterwäsche an, das Lieblingsoberteil, die bequemen Schuhe, etc. Was ich mir nicht leisten kann, kann ich mir nicht leisten. Das ist ok und da bin ich dann auch nicht traurig. Es gibt genug, was ich in meinem Leben genießen und wertschätzen kann, da wäre es absurd, dem, was ich nicht habe, hinterherzuweinen. Aber zum Geburtstag wünsche ich mir manchmal gute Haar- oder Hautpflege, weil es ein schönes und oftmals eben besonderes Geschenk sein kann. Und dann wird das entsprechende Produkt verbraucht und genossen! Weil ich es mir wert bin. Weil ich es verdient habe, mich wohl in meiner Haut zu fühlen. – So, wie es alle verdient haben! Dieses Jahr werde ich mir Massagegutscheine wünschen, weil ich als Mama einfach mehr als vorher auf meinen Körper und so Dinge wie Verspannung oder Fehlhaltung achten muss. Letzes Jahr war es Geld für Wolle, weil es einfach Spaß macht, gutes Material zu verarbeiten.

Seit ich Mutter bin, drücke ich die Wertschätzung mir gegenüber sowie meine Selbstliebe vielleicht etwas stärker aus, als zuvor. Vordergründig nimmt man sich mit Kind natürlich wahnsinnig zurück, doch weil das nicht spurenlos an einem vorüberzieht, kommt irgendwann ein Punkt, an dem es reicht. Ich fand die Geburt schwer und auch im Nachgang sehr von Emotionen behaftet – da habe ich begonnen, mir zu sagen, dass ich es gut gemacht habe. Wenn das Kind bald zwei wird, schicke ich mir selber einen Blumenstrauß, weil ich weiß, dass ich meinen eigenen Zuspruch brauche (und vielleicht auch meine Vergebung für Dinge, die anders gelaufen sind, als ich sie mir vorgestellt habe). Oder ein anderes Beispiel: Irgendwann konnte ich die Augenringe des Spiegelgegenübers einfach nicht mehr sehen. Da bin ich in den Fachhandel gegangen und habe mir gute Hautreinigung, guten (!) Concealer und gutes Puder gekauft – zum ersten Mal mit dem Anspruch, dass es einfach gut und mir eine Hilfe und Wohltat sein soll, statt ein Mittel zum Zweck. Seither gehe ich morgens viel lieber aus dem Haus. Nicht nur das Spiegelbild ist dabei entscheidend, sondern doch das Gefühl, dass ich mich selbst jeden Tag aufs Neue wichtig genug nehme, mir etwas Gutes zu tun. Sein eigenes Bedürfnis erkennen und darauf eingehen hat viel, viel mit Selbstliebe zu tun. So werden wir auch milder und liebevoller unserem Selbst gegenüber und können mehr verstehen und verzeihen, anstatt immer nur streng zu sein. (Und mit Strenge sich selbst gegenüber kenne ich mich wirklich aus… klick…)

Also, Mamas, Frauen, Freundinnen und fleißige Bienchen da draußen: Seid gut zu euch, gönnt euch die schönen Dinge im (alltäglichen!) Leben und sagt auch mal danke! Wir alle haben es verdient, eine schöne Überraschung, ein großzügiges Geschenk oder ein schönes Kompliment zu bekommen. Und wir alle dürfen morgens das Haus mit einem guten Gefühl verlassen und uns abends bei den müden Füßen bedanken, sie eincremen und hochlegen. Selbstliebe macht vieles, vieles leichter – Beziehungen an allererster Stelle. Menschen, die krankhaft an sich selbst zweifeln, können schlimme Energieräuber sein. Und Menschen im eigenen Umfeld, die einem Dinge nicht gönnen, gehören aussortiert. (Auch da habe ich gewisse Erfahrungen.) Sie gönnen eigentlich sich selber nichts und projizieren das auf andere, aber niemand hat das recht, uns unsere wohlverdiente (und mitunter hart erkämpfte) Selbstliebe madig zu machen! Du darfst es dir wert sein, mit breiter Brust und Schulterklopfer!

 

 

 

 

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